Dann war es eben so. Der Alltag mit seiner grausamen Eintönigkeit hatte mich wieder. Ich verbiss mich in der Arbeit, ich ignorierte die grauen Wände, die Einsamkeit in meinen Wänden, die Stille, die sich wie Patina auf das Türschloß legte. Mir graute schon davor die Tür zu öffnen. Manchmal erschrak ich mich, wenn ich leise hustete, so ungewöhnlich war ein Geräusch in meiner Wohnung.
Nachts floh der Schlaf vor mir. Äußerlich ruhig und kontrolliert, tosten die Gedanken in mir. Je stiller es draußen wurde, umso lauter wurden die Geräusche des Gedankenmahlstromes. Ich ertappte mich beim Gedanken mir ein Loch in den Schädel zu bohren, damit dort etwas abfliessen konnte. Und es kam mir ganz natürlich vor!
Der Herbst kam.
Der erdige Geruch verschaffte mir wieder ein wenig Bodenständigkeit und als die Sonne mitspielte, fuhr ich einfach mit der Bahn, anstelle zur Arbeit, einfach nur weiter. Mit nichts als meiner Aktentasche, der Monatskarte, 96,50 € und dem Sekrätar-Schlüssel aus der Penison vom Meer. Am Endbahnhof angekommen regnete es. Auch hier war der Herbst. Das Meer war grau, nicht unfreundlich aber sehr für sich. Es duldete keine Menschen mehr an seinem Rand. Das merkte ich wohl. Wie fehl ich am Platz war, im Zombie-Gewand eines Werktätigen! Entfremdet dem, was die Essenz des Menschen war. Ein Robotnik. Unkaputtbar…und doch am Ende. Ich band mir die Schuhe auf. Die Krawatte legte ich säuberlich zusammengerollt unter einen Stein. Hilflose Gesten, die mich fast zum Lachen reizten.
In diesem Moment wollte ich nichts dringlicheres als dass mir jemand ein anderes Leben geben würde. Diese Sinnlosigkeit bar jeglicher Todessehnsucht hatte so etwas Kaltes, Klares, das mir ein Stück meiner Seele einfror. Ein Gefühl wie festgehakt, bei vollem Bewusstsein, immer die gleiche Bewegung machen zu müssen.
So konnte, durfte es nicht weiter gehen.
Dann wurde mit klar: das Gespinst der Lebenslüge gibt Struktur aber das Unglück frisst sich früher oder später doch durch. Am Ende platzt die Hülle auf und das Gift ergisst sich in das schwächste Gefäss und alles erodiert, impludiert oder bildet Metastasen.
Ich hatte es so satt. Aber einen Ausweg sah ich auch nicht. Vor mir rollte das Meer, hinter mir lag die vermüllte Stadt also lief ich einfach nach Westen so lange es eben ging, immer mit den Füssen im klammen Sand, immer weiter, die ganze Nacht.
